20 Mai '14

Durch eine südliche Brille

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door RK
Er fühlt sich ein bisschen schuldig, sagt er. Ouissal Saadaoui hat Tunis 1996 verlassen, um in Belgien ein Studium als Optiker aufzunehmen, hat aber dadurch die Revolution in seinem Lande verpasst, die den Arabischen Frühling von 2010 eingeläutet hat.

Er fühlt sich ein bisschen schuldig, sagt er. Ouissal Saadaoui hat Tunis 1996 verlassen, um in Belgien ein Studium als Optiker aufzunehmen, hat aber dadurch die Revolution in seinem Lande verpasst, die den Arabischen Frühling von 2010 eingeläutet hat. ‚Ich habe das Gefühl, dass andere die schmutzige Arbeit geleistet haben. Die Freiheit wurde mir gegeben, meine Landsleute mussten dafür kämpfen und sterben.’ Dennoch leistet dieser warmherzige Tunesier auf seine Weise einen Beitrag, indem er die Vorstellung über sein Geburtsland anpasst und schärft. ‚Die westlichen Medien liefern ein einseitiges Bild. Sie sind nur darauf aus, über Katastrophen und Anschläge zu berichten, bringen aber somit ein viel zu düsteres Bild von dem, was im Süden passiert. Das macht mich besorgt.’ Der Optiker Saadaoui wohnt in Wemmel und ist dort zufrieden, obschon er doch etwas mehr Zeit in Tunesien hatte. (RK, jun 2014)